AG Biobank und Biomarker

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Biobank im Comprehensive Cancer Center Kiel

 

 

Medizinische Forschung ist ohne die Untersuchung biologischen Materials undenkbar. Deshalb gibt es im UKSH spezielle Institutionen und Lagerorte, die als Biobanken bezeichnet werden, und in denen beispielsweise Blut-, Urin-, und Gewebeproben und auch umfangreiche medizinische Daten für Forschungszwecke gesammelt und aufbewahrt werden. Biobanken sind Schlüssel für die Entwicklung neuer, verbesserter Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten bei schweren und zum Teil unheilbaren Erkrankungen wie Krebs. Die Erforschung sogenannter Biomarker, Moleküle oder Merkmale, die eine sichere Diagnose von Krankheiten ermöglichen, steht häufig im Mittelpunkt von Forschungsprojekten mit klinischen Patientenproben. Im Institut für Experimentelle Tumorforschung (IET) der CAU werden unter anderem einzelne Tumorzellen im Blut und in Gewebeproben analysiert, die für die Ausbreitung von Krebs im Körper verantwortlich sein können. Daneben werden auch genetische Marker oder lösliche Faktoren in Körperflüssigkeiten wie Blut erforscht.

 

Der Nachweis von Tumorzellen im Blutkreislauf oder Knochenmark bei Patienten mit Tumoren wie Darmkrebs hat sich als unabhängiger prognostischer Faktor herausgestellt und kann insbesondere bei der Verlaufskontrolle nach chirurgischer Entfernung eines Tumors von Nutzen für weitere Therapieentscheidungen sein.

 

Seit über 20 Jahren besteht eine intensive wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Experimentelle Tumorforschung, der Klinik für Allgemeine Chirurgie, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie und dem Institut für Pathologie im UKSH, Campus Kiel, auf dem Gebiet der Tumorerkrankungen der Verdauungsorgane. Hieraus sind eine Plattform für die SOP (standard operating procedure)-gesteuerte Asservierung und Aufarbeitung klinischer Proben von Krebspatienten sowie umfangreiche Biomaterial-Sammlungen für Proben aus biologi­schen Flüssigkeiten (Blut, Knochenmark) sowie Gewebe (Tumor und peritumorales nicht-malignes Gewebe) hervorgegangen.

 

Patienten in der Chirurgischen Klinik werden über die Materialsammlung ärztlich aufgeklärt und stellen ihre Bioproben nach schriftlicher Einverständniserklärung für die Biobank zur Verfügung. Eine Schlüsselrolle für den hohen Standard bei der Probenasservierung spielt die reibungslose und teamorientierte Zusammenarbeit von Chirurgen, OP-Personal, Laborpersonal, ärztlichen und wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen in den Biobanken und im Institut für Pathologie.

 

Der Leitgedanke in der Biobank ist die Qualitätssicherung der asservierten Proben durch schnellst- möglichen Transport der Operationspräparate in das Institut für Pathologie, histo-pathologische Begutachtung und Zuschnitt der Gewebe durch Pathologen sowie umgehende Fixierung oder Kryokonservierung von Gewebe- und Flüssigproben bei -80°C oder in flüssigem Stickstoff bei -196°C.

In den vergangenen Jahren konnten die an der Biobanking-Plattform beteiligten Institutionen umfangreiche Investitionsmittel für Ausbau und hervorragende technische Ausstattung eines Probenlagers für kryokonservierte Biomaterialien im Institut für Pathologie und im IET einwerben. Dadurch wurde ein Meilenstein der Qualitätssicherung auch bei der Probenlagerung erreicht.

 

Die Biobank im Comprehensive Cancer Center Kiel im Institut für Experimentelle Tumorforschung gehört seit 2011 zum zentralen Biobanken Verbund Popgen 2.0-Netzwerk (P2N) der Medizinischen Fakultät der CAU. P2N und seine Mitglieder wurden von 2011-2016 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der nationalen Biobanking-Initiative mit ca. 5 Millionen Euro gefördert. Mit dem Aufbau dieses Netzwerkes konnten administrative Dachstrukturen für eine zentrale Biobank der Fakultät im UKSH geschaffen werden, die unter anderem eine Geschäftsordnung, einheitliche Lenkungs- und Governance-Strukturen, Formblätter und Bestimmungen für die Probenabgabe, eine einheitliche Datenbank-Software (CentraXX), die Regelung ethischer und rechtlicher Aspekte sowie das Qualitätsmanagement umfassen.

 

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